NOW Architektur
KLE

Landwirtschaftliche Fachschule Kleßheim

Es braucht keinen Denkmalschutz, um den Bestand wertzuschätzen. Als Bauwerke sind sie Teil unserer Kultur, die es gilt, respektvoll zu erhalten und weiterzubauen. Gefragt sind Kohärenz in Gestaltung, Materialität und Konstruktion des Architekturentwurfs für die Erweiterung – nicht historisierend, sondern zeitgemäß interpretiert in der Logik des Bestehenden.

Die bestehenden Gebäude zeigen verschiedene Zu- und Umbauten, die auf frühere Nutzungsänderungen hinweisen. Ursprünglich aus zwei Solitären bestehend, trennen sie nun den Werkhof vom öffentlichen Vorplatz. Das Konzept des Weiterbauens soll beibehalten werden. Der Entwurf sieht den Rückbau der ehemaligen Stallungen vor, wobei die identitätsstiftenden Gebäude erhalten bleiben. Ein langer Zubau entlang der Kleßheimer Straße ergänzt den Kopfbaukörper, wobei die Kubatur des Bestands wie selbstverständlich weitergeführt wird. Die weit auskragenden Vordächer werden in den Zubau integriert. Zusammen mit dem Bestand entsteht ein harmonisches Gebäudeensemble, das den Hof neu gliedert und eine neue Verbindungsachse einführt. Drei Bereiche werden neu definiert: Werkhof, Lieferhof und Marktplatz. Diese Höfe dienen der Erschließung der Gebäude und erweitern deren Nutzungen nach außen. Markante Elemente der Bestandsfassaden werden erhalten, revitalisiert oder durch neue ergänzt. Der Neubau zeigt sich als einfacher Holzbau, der die Proportionen des Bestands aufgreift und den materialspezifischen Eigenschaften des Holzes folgt.

Die Gestaltung der Zwischenräume setzt auf Entsiegelung und die Reduktion von Hitzeinseln. Neue Plätze und Höfe erhalten offene Pflasterbeläge, bestehende Asphaltflächen werden durch wassergebundene Decken ersetzt. Ein Grünband gliedert den Werkhof neu und trennt ihn vom Lieferhof, der die neuen Funktionen erschließt und den Werkhof mit der öffentlichen Zufahrt im Westen verbindet. Ein neuer Marktplatz vor dem Hofladen kann für Veranstaltungen genutzt werden. Hochstämmige Bäume beschatten die Plätze und Gebäudefassaden und schaffen ein angenehmes Mikroklima.

Der Neubau orientiert sich an landwirtschaftlichen Zweckbauten mit flexibler Grundrissgestaltung. Im Erdgeschoss befinden sich Werk- und Produktionsräume sowie der Hofladen, die über Hygieneschleusen betreten werden. Im Obergeschoss des südlichen Bestandsbaukörpers sind Lehrergarderoben, Sozialräume und Gruppenräume untergebracht, während das Obergeschoss des nördlichen Bestands und des Zubaus Wohnungen und Gebäudetechnik beherbergt. Die Funktionen im Erdgeschoss ermöglichen Sichtverbindungen von der Kleßheimer Straße in die dahinterliegenden Höfe, was Transparenz schafft.

Die Tragstruktur des neuen Gebäudes besteht vorwiegend aus regionalem Massivholz. Eine zeitlose Gestaltung, eine hohe Ausführungsqualität und typologische Freiheit im Grundriss tragen zur Resilienz bei. Offene Installationen und sichtbare Konstruktionen ermöglichen eine einfache Wartung und Anpassung. Beschädigte Wandverkleidungen lassen sich leicht austauschen, was das Gebäude auch als Lehrobjekt qualifiziert. Das Gebäude setzt auf natürliche Lüftung und Belichtung. Die Bedienung erfolgt intuitiv durch die Nutzenden. Satteldächer als hinterlüftete Kaltdächer schützen vor Überwärmung, während Dachüberstand und Laubengang die Fassaden beschatten und Querlüftung begünstigen. Schattenspendende Bäume tragen ebenfalls zur Kühlung bei. Ziel ist ein Gebäude, das sich langfristig einfach bedienen und warten lässt.

Projektdaten

Auslober:in

Land Salzburg

Ort

Kleßheim, AT

Verfahren

EU-weit offener, einstufiger Wettbewerb

Platzierung

Anerkennung

Jahr

2024

Projektteam

Stephan Brugger, Ferdinand Schmölzer und Lisa Schilles

Modellbau

Patrick Klammer Manufaktur