Psychiatrie Barmherzige Brüder Eisenstadt
Architektur hat das Potenzial, als Gesundheitsbau positiv zur Genesung der Patient:innen beizutragen. Eine bedürfnisgerechte Gestaltung und entstigmatisierende räumliche Atmosphären spielen besonders in psychiatrischen Gesundheitsbauten eine wesentliche Rolle. Die Vermittlung von Sicherheit und Schutz, ein menschlicher Maßstab, Rückzugsmöglichkeiten und Orientierung, die bewusste Gestaltung suizidpräventiver Maßnahmen, Aus- und Weitblicke sowie eine wohnliche Geruchs- und Geräuschkulisse sind wesentliche Faktoren, bei denen Architektur einen positiven Beitrag leisten kann.
Das vorgeschlagene Projekt für den Neubau der Psychiatrie der Barmherzigen Brüder Eisenstadt ist ein Gesundheitsbau, der eine enge Verbindung zur Natur betont und die Entstigmatisierung psychiatrischer Gesundheitseinrichtungen zum Ziel hat. Der Entwurf entwickelt sich über seine Aus-, Fern- und Durchblicke innerhalb des Gebäudes sowie in die nähere und weitere Umgebung. Die Prämisse bei der Gestaltung der Architektur ist die Entstigmatisierung psychiatrischer Gesundheitseinrichtungen.
Licht sowie Durch- und Ausblick sind die grundlegenden Entwurfsparameter. Analog zur vorgefundenen Topografie stufen sich die einzelnen Geschosse gegen Süden hin ab. Jede Gebäudeebene erhält einen eigenen zugehörigen Garten, der direkt auf dem jeweiligen Geschoss erreichbar ist und die Funktionseinheiten um eine großzügige und gut überblickbare begrünte Freifläche erweitert.
Das äußere Erscheinungsbild greift das Thema der horizontalen Schichtung auf. Umlaufende Beschattungsvordächer gliedern die Fassade und fassen abwechselnd geschlossene und offene Fassadenelemente. Lüftungsflügel für Patient:innen werden in die geschlossenen Felder integriert (Ausbruch- und Absturzsicherung), sodass eine uneingeschränkte Nutzung der Fenster in den Patient:innenzimmern möglich ist (eigenes Lüften steigert die Akzeptanz und das Wohlbefinden). Pflanztröge setzen zusätzliche Akzente in der Fassadenebene.
Im Inneren schaffen helle Farben und natürliche Materialien eine wohnliche Atmosphäre. Es sind wenige unterschiedliche, dafür aber natürliche, strapazierfähige und funktionale Materialien angedacht (Hygieneanforderungen). Zeitgemäß werden möglichst naturbelassene, ungiftige Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen verwendet. Holzoberflächen werden bewusst eingesetzt, um einer klinisch-sterilen Atmosphäre entgegenzuwirken. Aus- und Durchblicke über die Atrien in die Landschaft transportieren eine offene, freundliche Atmosphäre bereits beim Ankommen im Eingangsbereich. Auf den Stationen wird diese Offenheit durch helle, gut belichtete Aufenthalts- und Erschließungsflächen geschaffen. Charakteristisch für die Grundrissorganisation ist, dass es so gut wie keine Sackgassen gibt. Offene Gangenden und beidseitige Belichtungssituationen unterstützen den Entwurfsaspekt. Tageslicht schafft Bezug zu Tages- und Nachtzeiten (zur inneren Uhr) und ermöglicht gemeinsam mit den Aus- und Fernblicken eine zeitliche und örtliche Orientierung.
Das Gebäude verräumlicht im positiven Sinne eine psychiatrische Behandlung ohne Sackgassen und setzt einen Start für mehrere Wege aus der Krise.
Zur Heilung beitragende und suizidpräventive Maßnahmen sind integraler Bestandteil der evidenzbasierten Planung im Gesundheitsbau. Architektur hat Einfluss auf die emotionale Befindlichkeit. Deshalb müssen die Räume auf die Bedürfnisse der Patient:innen und des Personals reagieren. Die räumliche Vermittlung von Sicherheit und Schutz, von Privatsphäre sowie die Möglichkeit zur Kommunikation und zur territorialen Aneignung stellen wesentliche aggressionspräventive Maßnahmen durch die Architektur dar. Die sensible Gestaltung suizidpräventiver Maßnahmen für Freiräume und Fensteröffnungen kann Schutz bieten und gleichzeitig das Gefühl vermitteln, nicht eingesperrt zu sein.
- Auslober:in
Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt
- Ort
Eisenstadt, AT
- Verfahren
EU-weit nicht offener, einstufiger Realisierungswettbewerb
- Platzierung
3. Platz
- Jahr
2024
- Arbeitsgemeinschaft
Architekt DI Reinhold Tinchon und sps architekten
- Projektteam
Eva Hierzer, Thomas Hörmann, Maibritt Pieper und Stephan Brugger
- Modellbau
Patrick Klammer Manufaktur